Am Samstag den 30. Juli 2011 traf sich ein bunt gemischter Haufen von Kindern und Jugendlichen mit großen Rucksäcken im strahlenden Sonnenschein vor der Maria-Magdalena-Kirche im Rieselfeld, um gemeinsam zum Bruderhof im Südschwarzwald zu fahren. Nachdem alles Gepäck im Bus verstaut, Impfausweise und Krankenkassenkarten eingesammelt und alle Teilnehmer im Bus waren, ging es gut gelaunt los. Nach etwa einer Stunde Fahrt kamen wir an und wurden sogleich von Robin Hood und seinen Männern begrüßt. Diese berichteten uns, dass der Sheriff das Dorf hatte niederbrennen lassen und dass wir nun eine neue Siedlung im Wald errichten müssten. Er lud uns recht herzlich ein, bei ihm zu bleiben, sofern wir uns einbringen würden. Es fanden sich Kleingruppen als Zeltgemeinschaften zusammen und gemeinsam mit den Leitern wurden unsere schwarzen Kohten als Quartiere für die kommende Woche aufgebaut. Nachdem alle Zelte standen und die Kinder sich eingerichtet hatten, konnten wir endlich zu Abend essen. Nach der Bekanntgabe der Lagerregeln, dem - für viele Kinder sicherlich gewöhnungsbedürftigen – Spülen des Geschirrs von Hand in einer Plastikwanne, einer abendlichen Runde am Lagerfeuer, welche die Geschichtenerzählerin mit einem Kapitel aus der Sage des Robin Hood ausklingen ließ, fielen wir alle mit geputzten Zähnen und totmüde ins Bett.
Der nächste Tag begann mit einem leckeren Frühstück. Danach gab es einige Workshops in denen der Gottesdienst vorbereitet wurde, den später der Geistliche unter Robins Männern, Bruder Tuck, mithilfe der Kinder hielt. Einige hatten die Lieder ausgesucht, andere einen Altar und ein Kreuz gebaut und mancher las eine Fürbitte vor. Danach hatten die Kinder Zeit für eigene Spiele, bevor es schließlich Mittagessen gab. Dann folgte der Ausbau unserer kleinen Zeltsiedlung, an dem sich alle fleißig beteiligten. Während der Lagerturm erweitert und einige Sportelemente, wie eine Klimmstange erbaut wurden, entstanden auch ein Trockentisch für Geschirr und Handtücher und eine nordische Schwitzhütte. Abends durfte jeder, der wollte, nach dem Abendschluss, der wiederum mit einem Kapitel von Robins Geschichte endete, an einer kleinen Nachtwanderung im nahen Wald teilnehmen. Der Höhepunkt dieses kleinen Spaziergangs der etwas anderen Art war ein etwa 15 Meter langes Seil, dem jeder alleine und mit verbundenen Augen folgen sollte.
Am dritten Tag in unserem kleinen Zeltdorf im Wald kam es bereits nach dem Morgenmahl zu großer Aufregung: zwei Späher des Sheriffs waren gesichtet worden und mussten gefangen werden, damit sie jenem nicht berichten konnten wo wir mit Robin und den Seinen hausten. Nach einer wilden Jagd quer durch einen Hindernisparcour wurden die Beiden gefasst und wir gestatteten ihnen unter der Bedingung, dass sie sich in die Dorfgemeinschaft integrieren müssten, zu bleiben. Von den Anstrengungen entkräftigt freute sich jeder über das Mittagessen, das gierig verschlungen wurde. Da jedoch die Gefahren noch nicht ganz gebannt waren, musste dann geholfen werden, das Lager ein wenig sicherer zu machen, bevor Mittags bei einem Geländespiel „reiche Leute“ beklaut wurden. Auch dieser Lagertag endete in einem Abend am Lagerfeuer, wo alle in einem Quiz der Geschichtenerzählerin ihr Wissen zu den Abenteuern des Robin Hood und seiner Gefährten beweisen konnten, bevor wir neues davon erfuhren, um dann in unseren Kohten zu verschwinden und uns für den nächsten Tag zu erholen.
Da sich nach einer halben Woche bei den ersten Dörflingen die Langeweile breit zu machen scheint, beschließt Robin, dass jeder sich in neuen Dingen erproben soll um seine Fähigkeiten weiter zu schulen. Den ganzen Vormittag über fanden Workshops statt, die ein riesiges Angebot darstellten: Man konnte sich Kleidung oder Taschen nähen, Bogenschießen lernen, seinen Körper mit Hennatattoos verzieren, helfen die Lagerplane anzumalen, oder oder oder … Nach dem Mittagessen wurden die Hajker verabschiedet, denen in unserer Lagergeschichte die Rolle der Jäger zufiel. Mit Nahrungsmitteln und Zeltplanen ausgestattet wurde die Gruppe von 11 Pfadfindern auf die Wanderung geschickt. Sie sollten die Nacht in einem Unterstand verbringen und uns am nächsten Tag in Donaueschingen treffen, wo unser Waschtag stattfinden sollte. Nachdem die Hajker sich auf den Weg gemacht hatten, ging es für uns Verbliebene runter zur Wutach, wo wir eine Flusserkundung machten und uns allerlei Wassertierchen im Lupenglas ansahen. Die frische Kälte des Wassers an den Füßen und der kühle Wald war ein schöner Ausgleich zu der brennenden Sonne von oben. Nachdem auf dem Spaziergang noch ein paar Leiter ins Wasser „fielen“, kehrten alle gut gelaunt zum Lagerplatz zurück, wo wir allerhand nasse Kleidung auf selbstgespannte Behelfswäscheleinen hängten, bevor wir zu Abend saßen, alle gemeinsam am Feuer saßen und Pfadfinderlieder sangen bis wir alle ziemlich müde wurden und der Schlafsack rief …
Dann war endlich der Waschtag da. Die Frauen hatten die Macht übernommen, und weil sie den Gestank und den Dreck im Dorf und an den Menschen nicht mehr ertrugen, befahlen sie uns, das Schwimmbad aufzusuchen und uns von oben bis unten sauber zu machen. So fuhren wir mit dem Bus – der voller singender DPSGler war – zum Schwimmbad und stürzten uns ins nasse Vergnügen. Beheiztes Außenbecken, Wellenbad, Rutsche … da wurde uns einiges geboten. Schließlich kamen auch unsere jagenden Hajker vollgepackt und zugesaut im Schwimmbad an. Mittags gab es dann für jeden zur Feier des Tages eine Pommes rotweiß, bevor es abends heim ging und wir einen fröhlichen Jahrmarkt rund um das Lagerfeuer veranstalteten, bei dem zum Beispiel das allseits beliebte „Herzblatt“ dargeboten wurde.
Unser vorletzter Tag begann sehr unerfreulich und für einige Leiter und Hajker mit sehr wenig Schlaf und viel Tee. Da man scheinbar dem Rat der Dorfältesten nicht gefolgt war und unabgekochtes Wasser aus der Wutach getrunken hatte, mussten wir ein Lazarett mit Sonnenschutz einrichten, wo wir die Kranken mit Tee, Cola und Salzstängchen verpflegten. Währenddessen stellte die Dorfgemeinschaft fest, dass scheinbar Dinge gestohlen worden waren, die man nun zurückerobern musste um damit König Löwenherz zu helfen, der soeben die Schweizer Grenze überschritten hatte und auf dem Weg zurück in den Südschwarzwald - in sein Königreich – war. Nachmittags beschäftigten sich alle gesunden Menschen wieder damit ihre Fähigkeiten zu verbessern und nähten, malten und werkelten mit viel Hingabe.
Auch am Freitag, dem Tag vor unserer Heimkehr, hatte sich die Krankheitslage in dem Dorf kaum verbessert, vielmehr hatten sich nur einige der Betroffenen abgewechselt und so lag nun ein neuer Personenkreis im Lazarett. Während die Kranken sich erholten und auf Genesung hofften, kämpften im Wald, in einem letzten Geländespiel, die Kinder zusammen mit Robin Hood gegen die Leiter und den Sheriff, welche König Löwenherz Burg besetzt hielten. Der Sheriff wurde vernichtend geschlagen und so konnte der ganze Nachmittag für ausgelassene Spiele und die Vorbereitungen eines großen Festes am Abend genutzt werden. Irgendwann am Nachmittag begann es zu regnen. Und zu regnen, und zu regnen, und zu regnen … und so saßen wir am Abend alle in Regenjacken und Gummistiefeln am Lagerfeuer und feierten nach einem schönen Programm an dem alle mitwirkten die Versprechensfeier, bei der einige zum ersten Mal ihr Halstuch bekamen, während andere jeweils in die nächsthöhere Pfadfinderstufe aufgenommen wurden. Mit einem leider nicht ganz so gelungenen Feuerwerk beendeten wir den Abend um am nächsten Tag ausgeschlafen abbauen und heimfahren zu können...

